“Der eingeschlagene Weg ist noch nicht am Ende”

Nach fünf Jahren in schwarz-weiß verlässt Kapitän Kai Euler die Zwanziger aus beruflichen Gründen. Im Abschiedsinterview blickt er auf erfolgreiche Jahre zurück.

Kai, Du bist zur Saison 2014/15 zu den Zwanzigern gekommen. Wie ist der Wechsel damals zustande gekommen?
Kai Euler: Nach meinem Umzug nach Köln hatte ich ein Jahr nichts gemacht und ein Studienkollege, mit dem ich vorher schon bei der TuS Koblenz gespielt hatte, hat mich dann mitgenommen zu Hohenlind. Wir sind in dem Jahr dann sportlich leider abgestiegen. Da haben auch sechs Tore von mir, wobei nur vier Elfmeter waren, auch nicht geholfen (wichtige Anmerkung: Rafael Leßmann hatte nur ein Saisontor mehr!).

Sag nicht, dass Du die anderen beiden Tore mit dem Kopf gemacht hast?
Doch, da hatten wir gute Standardschützen, da war das einfach.

Du wurdest uns damals auch als guter torgefährlicher Innenverteidiger angekündigt.
Mich hat anscheinend nie jemand beobachtet.

Und trotzdem kamst Du nach Frechen.
Ich bin nach der Saison zum „Reise“, unserem damaligen Coach gegangen und habe gesagt, alles top hier, aber ich will ein bisschen mehr den Leistungsgedanken beim Sport haben. Die Jungs waren super, aber die Mentalität war immer etwas lockerer. Ich hatte dann ein paar Gespräche, hab mich mit Sahin und Micha getroffen. Sahin hat mich dann nochmal zuhause abgeholt und mir den Platz oben gezeigt und dann ging das recht fix. Obwohl die ersten Eindrücke natürlich grauenhaft waren, als Sahin mir den Aschenplatz gezeigt hat. Wäre da der Spatenstich für den Kunstrasen nicht schon gewesen, hätte ich mir das wohl anders überlegt.

Und die Mannschaft?
Da waren die ersten Eindrücke top. Wobei, die ersten Trainingseinheiten auf der Stadionvorwiese waren hart, kannte ich so nicht. Sonst hat alles gepasst. Spätestens nach dem Trainingslager in Bitburg, als man die Witze von Dirk Masuhr langsam einschätzen könnte, lief es super.

Im ersten Jahr wäre fast der Durchmarsch in die Mittelrheinliga gelungen.
Ja, wir waren direkt erfolgreich und es lief ja die letzten Jahre immer super.

Gibt es besondere Highlights, an die Du dich gerne erinnerst?
Natürlich in erster Linie das Aufstiegsspiel beim GKSC Hürth, als irgendwann klar war, dass wir den Aufstieg packen können und das Spiel mit zwei späten Toren dann gewonnen haben. Das war super. Ein weiteres Highlight war das Aufstiegsfinale im ersten Landesliga-Jahr in Breinig, auch wenn das leider nicht erfolgreich verlief. Da waren knapp 1.000 Zuschauer und das war schon ein Event, mit der ganzen Aufregung davor. Ansonsten waren eigentlich alle Spiele in den letzten Jahren immer auf einem hohen Niveau, sodass es immer viel Spaß gemacht hat.

Eins deiner wenigen Tore hast Du zu einem enorm wichtigen Zeitpunkt erzielt, als Dir in der Nachspielzeit in Eilendorf der Ausgleich zum 3:3 gelungen ist. Ein Punkt, der für den Aufstieg letztlich nicht nur in moralischer Hinsicht enorm wichtig war.
In Eilendorf war natürlich herausragend. Es war nicht unser bestes Spiel. Wir haben selten viele Gegentore bekommen in Frechen. Bis zur 92. Minute lagen wir 2:3 zurück und wie es dann so ist, alle halbwegs großen Spieler gehen dann nach vorne. Dann kam eine herausragende Flanke von Granit Rama und dann habe ich tatsächlich getroffen. Für jemanden, der nicht so häufig trifft, war so ein Tor in der Nachspielzeit natürlich überragend. Das Spiel war dann tatsächlich nochmal eine Initialzündung in Richtung Aufstieg. In dem Jahr hat uns einfach ausgezeichnet, dass wir eine kleine, homogene und fußballerisch starke Truppe waren. Da konnten uns auch einige Rückschläge nicht aus der Bahn werfen.

In dieser Saison hast auch Du zum ersten Mal in der Mittelrheinliga gespielt und gleich deutlich mehr Gelbe Karten kassiert als in den vier Jahren vorher gesamt. Wie kommts?
Es ist ein Zwischending. Auf der einen Seite werden die Stürmer schneller, auf der anderen Seite werde ich immer langsamer. Deswegen diese Karten-Explosion. Es waren wirklich viele taktische Fouls, weil die Gegenspieler besser sind und man häufiger zum taktischen Foul greifen muss. Trotzdem habe ich es zufälligerweise immer geschafft, nie gesperrt zu sein. Gewusst, wie.

Wie würdest Du mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre beschreiben, was Frechen 20 ausmacht?
Wir hatten immer recht kleine Kader. Sahin und Micha haben immer darauf geachtet, dass die Jungs sich untereinander verstehen. Das merkt man im Miteinander. Ich habe viele Jungs, mit denen ich noch viel Kontakt habe, obwohl wir schon länger nicht mehr zusammenspielen. Tobi Link, Pipo Naso oder Kevin Niang. Das zeichnet die Truppe und den Verein sicherlich auch aus.

Wie beurteilst Du die Entwicklung in den letzten Jahren?
Was von Anfang an da war und sich immer mitentwickelt hat, ist das Streben nach größtmöglicher Professionalität im Rahmen der Möglichkeit. Das ist sicher in erster Linie ein Verdienst von Micha. Wir haben weder finanziell, noch infrastrukturell die besten Möglichkeiten im Kreis, aber sind gewachsen und haben es Training für Training so professionell gestaltet wie möglich. Der Verein entwickelt sich mit, es gibt zahlreiche ehrenamtliche Helfer. Es gibt eine kleine Fan-Base, das ist auch eine sehr schöne Entwicklung, dass man in Frechen angekommen ist und mit den Menschen in Kontakt kommt.

Was wirst Du vermissen?
Wir treffen uns zum Fußballspielen, das sind vier Mal pro Woche drei Stunden. Das ist viel Zeit. Ich werde nicht vermissen, dass wir zusammen auf dem Platz stehen, sondern insbesondere den Alltag drumherum. Mit den Jungs in der Kabine zusammensitzen, dann unsere Fans und Unterstützer, die bei allen Spielen dabei sind. Ich werde den Verein vermissen, aber vor allem die Menschen, die Frechen 20 ausmachen.

Du bist für deine extrovertierte Art mittlerweile bekannt. Wer darf sich jetzt auf Deine Sprüche freuen?
In erster Linie meine neuen Mitspieler beim VfB Ginsheim in der Hessenliga. Ich kann jetzt quasi wieder bei Null starten, man kennt meine ganzen Sprüche noch nicht. Ich hatte da auch ein paar Gespräche. Ginsheim ist der Verein, der Frechen am nächsten kommt. Das einzige Problem ist, dass sie bei Toren die Torhymne von Mönchengladbach spielen. Das müssen wir noch klären. Das geht gar nicht. Aber es ist ein sehr familiär geführter Verein, der auch sehr professionell aufgestellt ist.

Was glaubst Du, wie wird es in Frechen weitergehen?
Der eingeschlagene Weg ist noch nicht am Ende. Mit dem Zusammenschluss mit Buschbell und verbesserter Infrastruktur wird ein wichtiger Schritt erfolgen. Für junge, talentierte Spieler aus der Region gibt es kaum einen besseren Anlaufpunkt. Der Verein wird weiterhin wachsen, ich wünsche dafür nur das Beste, dass man sich in der Mittelrheinliga weiter etabliert und dann weiterschaut. Man hat ein geiles Stadion, aus dem man viel machen kann. Wenn Stadt und Verein zusammenarbeiten und die Sponsorentätigkeiten weiter ausgebaut werden, kann man in Zukunft auch höhere Ziele anstreben. Die Jungs sind klasse, dementsprechend wird es in den kommenden Jahren weiter so positiv laufen.

Und dann kommt Kai Euler irgendwann zurück?
Selbstverständlich. Als Libero in der Regionalliga spiele ich aber nur, wenn ich die Nummer zehn bekomme und mir bis dahin einen Schnäuzer wachsen lasse. Aber klar, ich werde den Verein so oft wie möglich begleiten und das ein oder andere Heimspiel besuchen und eine etwas jüngere Fan-Base an den Start bringen.

Ein Schlusswort?
Das obligatorische, ich bedanke mich bei allen, gehört natürlich dazu. Allen, die es uns ermöglichen, die Heimspiele in diesem Umfang auszutragen, die im Hintergrund helfen. Besonders natürlich Frau Blum und Petra Matter, die eine höhere Trainingsbeteiligung haben als Lenni Preis. Micha und Sahin, die den Verein prägen und weiterhin prägen werden. Natürlich bedanke ich mich bei der Mannschaft, auch wenn die natürlich mehr von mir profitiert haben, als andersrum.

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